BioEmulation - Rekonstruktion nach dem Vorbild der Natur

Dr. Javier Tapia Guadix, Madrid

GAK 243 | 04.03.2020 | 13:00 Uhr

Editorial

Liebe GAKler und Freunde des GAK,

nichts ist so perfekt und einzigartig wie das, was die Natur hervorbringt.
Wir können Sie nicht übertreffen, aber wir können Sie versuchen, zu imitieren.

Die adhäsiv-rekonstruktive Zahnheilkunde erlaubt uns, verlorengegangene Zahnhartsubstanz frühzeitig zu ersetzen und die Zeit zurückzudrehen.
Dabei sollte unser höchstes Ziel sein, dies so minimalinvasiv wie möglich zu erreichen.

Vielen von uns kommt die Situation in der Praxis bestimmt bekannt vor:  Wir haben sehr viel Zeit und Mühe in eine Frontzahnrestauration mit Komposit investiert und sind danach sehr enttäuscht, weil sie doch in gewisser Weise „sichtbar“ ist. Vielleicht erscheint sie uns zu grau oder der Übergang zum Zahn ist erkennbar und irgendwie ist die Füllungsoberfläche nicht wie die der natürlichen Restzahnhartsubstanz.

Wie schafft man es nun einen Zahn so zu restaurieren, dass das Ergebnis in jedem Licht unsichtbar ist, die Oberfläche die des natürlichen Zahns exakt imitiert und dabei die Farbe und die Transluzenz stimmen?

Ich freue mich außerordentlich, Ihnen Dr. Javier Tapia-Guadix aus Madrid präsentieren zu dürfen. Er ist Gründungsmitglied der BioEmolation Gruppe und beschäftigt sich seit vielen Jahren damit, die Natur der Zähne perfekt zu imitieren.

Er zeigt uns innovative Konzepte zur Farbauswahl, Kompositschichtung, Matrizentechnik und eine einfache und effiziente Ausarbeitung, um schnell eine individuelle natürliche Oberfläche zu generieren.

Wir dürfen uns auf einen spannenden Vortrag mit live Demo freuen! Ich bin mir sicher, dass jeder von uns praktische Tipps mitnehmen kann, die sofort am nächsten Tag umsetzbar sind.

Mit den besten Grüßen,

Ihr Florian Klumpp

 

Bio-Emulation zur Farbbestimmung in der Zahnheilkunde: von direkten zu indirekten Protokollen

Voraussetzung für eine verbesserte Strategie zur Materialauswahl und Farbbestimmung für restaurative Maßnahmen ist das Verständnis der Wechselwirkungen des Lichts mit der Zahnhartsubstanz sowie der histo-anatomischen Grundlagen.

Die Zahnstrukturen bilden ein komplexes optisches Medium für das Licht, das durch den Schmelz, die Schmelz-Dentingrenze und das Dentin tritt. Das Verhalten des Lichts verändert sich mit den Jahren im Zuge der Veränderungen der Morphologie und Zusammensetzung der Hartgewebsstrukturen. Die Bio-Emulation, wie sie in Strukturanalysen und der visuellen Synthese dargelegt ist, hat neue Prinzipien für die Nachbildung natürlicher Zahnstrukturen mit Dentalwerkstoffen definiert.

Das pentalaminäre Konzept entstand als aktuellste Umsetzung dieser Philosophie: Die Analyse unterschiedlicher Alterungsstadien für den Aufbau eines dynamischen, naturgetreuen Farbkonzepts. Der Anwendbarkeit dieses Konzepts steht allerdings die intrinsische Komplexität der Materie entgegen, so ist es nicht für alle klinischen Situationen geeignet.  Durch die Analyse der Schlüsselfaktoren des Altersprozesses der natürlichen Zahnhartsubstanz und die Anwendung dieser Erkenntnisse in der Materialauswahl lässt sich die Technik so weit vereinfachen, dass sie für alle Situationen anwendbar ist. Von der bilaminären zur pentalaminären Technik sind verschiedene Adaptationen unserer Vorgehensweise möglich, die es uns erlauben, das klinische Outcome zu optimieren und eine kosteneffektive Therapie zu bieten, die den Bedürfnissen und Erwartungen unserer Patienten gerecht wird.

Die Definition geeigneter Farbbestimmungsstrategien sowohl für Komposit- als auch Keramikwerkstoffe ist für unsere tägliche Arbeit von höchster Bedeutung. Das Konzept der Bio-Emulation gibt uns Werkzeuge an die Hand, mit denen sich die Genauigkeit der Farbbestimmung drastisch verbessern lässt, wie z.B. die Custom-Eyes Farbskalen und das „State of the Art“ eLAB-Protokoll für Keramikarbeiten.

Eine erfolgreiche Therapie ist letzten Endes immer das Ergebnis einer guten Patientenkommunikation und der perfekten Teamarbeit zwischen Zahnarzt und Techniker.