Die Full Mouth Rehabilitation.

Prof. Dr. Walter Lückerath, Bonn

GAK 231 | 25.04.2018 | 14:00 Uhr

Editorial

Liebe GAK- Mitglieder,

heutzutage gibt es eigentlich keine Fortbildung und keinen Kongress mehr ohne Beiträge zur Digitalisierung in der Zahnheilkunde:

digitale Behandlungsplanung,
digitale Abformung,
digitale Bissregistrierung,
digitale Herstellung des Zahnersatzes.

Damit stellt sich die Frage, ob analoge Vorgehensweise noch als zeitgemäß und erfolgsvorsprechend angesehen werden kann?

Prof. Dr. Lückerath hat eindrucksvoll in seinem Vortrag „Garantiert interferenzfreier Zahnersatz – Stehen wir digital kurz davor“, St. Moritz 2017, den digitalen Workflow kritisch unter die Lupe genommen, indem er die einzelnen Stationen von der Abformung bis zur Fertigstellung des Zahnersatzes auf Fehlerquellen untersucht hat.

Seien Sie mit mir auf die Ausführungen und Fehlerquellen, die uns Prof. Dr. Lückerath aufzeigen wird, gespannt, sowie auf sein prothetisches Behandlungskonzept.

Ihr Michael Fischer


Ein Vergleich der analogen Vergangenheit (?) und der digitalen Zukunft (!)

Die festsitzende oder bedingt abnehmbare 4-Quadranten-Rehabilitation war schon in der analogen und bleibt auch in der digitalen Welt eine (zahn)medizinische Herausforderung.

Der Gründe dafür liegen in den komplexen biologischen, technischen, adaptiven, verfahrenstechnischen und materialwissenschaftlichen Anforderungen an diese umfangreichen oralen Rehabilitationen.

Wurde noch vor einiger Zeit eine chirurgische Rückwärtsplanung als „State of the Art“ z.B. für implantatprothetische Versorgungen angesehen, so ist heute eine umfassende prothetisch orientierte Rückwärtsplanung zur Definition des Behandlungsergebnisses und damit der Behandlungsnotwendigkeiten vor dem Beginn der eigentlichen medizinischen Therapie und damit zur Minimierung des beidseitigen Behandlungsrisikos unverzichtbar geworden.

Trotz aller digitalen Fortschritte bleibt die Unterstützung und Absicherung des rekonstruktiven Fortschrittes durch analoge Behandlungsüberprüfung gerade in biologischen Fragestellungen weiterhin unverzichtbar.

Neue Werkstoffe, wie zum Beispiel die Oxidkeramiken, erfordern dabei einen besonderen klinischen Workflow um vorhersagbar zu exzellenten ästhetischen, aber auch funktionellen Resultaten zu kommen. Gerade diese sind für den langfristigen okklusalen Erfolg (Interferenzen/Frakturen) der oralen Rehabilitationen verantwortlich.

Neuer Forschungsergebnisse in den Neurowissenschaften zeigen die Auswirkungen des Zahnverlustes auf die sensomotorischen Fähigkeiten unserer Patienten, die sich in der Auswahl der verwendeten Materialien, in der Konstruktion des Zahnersatzes mit und ohne Implantate und in der okklusalen Morphologie der konventionell keramisch verblendeten oder digital monolithischen Rekonstruktionen niederschlagen sollten.