Die Bedeutung der Okklusion in der kieferorthopädischen und rekonstruktiven Zahnheilkunde

Prof. Dr. Markus Greven MSc., PhD., Bonn

GAK 227 | 10.11.2017 | 14:00 Uhr

Editorial

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Liebe Mitglieder, liebe Kolleginnen und Kollegen,

Welcher Zusammenhang besteht zwischen temporo-mandibulären Dysfunktionen und der Okklusion? Welchen Einfluss hat die Taktilität einzelner Zähne auf die orthodontische und rekonstruktive zahnärztliche Therapie und wie können wir diese optimal therapeutisch nutzen? Warum ist die Neigung der Okklusionsebene ein essentieller Bestandteil bei der Planung kieferorthopädischer wie rekonstruktiver Behandlungen? Welche okklusalen Kontakte führen zu Langzeitstabilität nach orthodontischer wie rekonstruktiver Therapie und warum?
Kurzum: Warum vereinfacht eine umfassende Kenntnis der okklusalen Gesetzmäßigkeiten die orthodontische wie rekonstruktive Therapie und verkompliziert diese nicht?  
Diese und andere wichtige Fragen werden beim 227er GAK  beantwortet.

Ich freue mich, Ihnen einen umfassend Wissenden und umfassend Lehrenden zu dieser Kernthematik anzukündigen:
Prof. Markus Greven aus Bonn, offizieller Lehrbeauftragter der Wiener Schule nach Slavicek, wird uns sein auf okklusale Medizin ausgerichtetes rekonstruktives Behandlungskonzept darstellen. Die Besonderheit besteht darin, dass Prof. Greven die Orthodontie nach Sato als festen und häufigen Bestandteil in seiner Therapie integriert hat und selbst durchführt.

Jeder der täglich am Patienten arbeitet weiß:  Ohne das profunde Wissen um Okklusion und Funktion im Kauorgan lässt sich nur wenig zufriedenstellende Zahnheilkunde verwirklichen. Die evidenzbasierten Studien geben hierzu leider wenig Feedback. Wie Peter Göllner es kürzlich beim GAK Spezial charmant formulierte: Beim Thema Okklusion sind wir gezwungen uns auf unsere `intrinsische Evidenz` zu verlassen.

Gnathologie heute – Requiem oder Auferstehung? Notwendigkeit! – Prof. Gutowski hat es beim 204er GAK treffend herausgearbeitet: Die Erfahrung zur richtigen Einschätzung und erfolgreichen Therapie verschiedener Patientenfälle gewinnt man nur durch das Anwenden gnathologisch-diagnostischer und okklusal-therapeutischer Maßnahmen, nicht durch das Weglassen.

Herzliche Grüße

Ihr

Patric Walter

Umfassende zahnärztliche Wiederherstellung der Okklusion in der kieferorthopädischen und rekonstruktiven Zahnheilkunde

Die Indikationen für invasive, irreversible Behandlung bei Patienten und insbesondere Patienten, die Temporo-mandibuläre Dysfunktionen (TMDs) aufweisen, wurden seit der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts kontrovers diskutiert. Die Notwendigkeit des Einsatzes reproduzierbarer,  dynamischer Aufzeichnungen und Messgeräte im Rahmen der klinisch-instrumentellen Funktionsanalyse in der gesamten zahnärztlichen Diagnostik und Behandlung ist ebenso umstritten. Alle Patienten zeigen heutzutage ein deutlich höheres Bewusstsein für qualitativ hochwertige Zahnheilkunde und fordern verbesserte Langlebigkeit der zahnä

rztlichen Therapien.

Funktionelle -  okklusionsbedingte -  Erkrankungen scheinen in den letzten wenigen Jahrzehnten zuzunehmen und die rasche Weiterentwicklung und  Verbesserung zahnärztlicher Materialien und Technologien schaffen neue Möglichkeiten; die Zahnmedizin braucht daher eine Neubewertung der entsprechenden diagnostischen und therapeutischen Verfahren, um invasiven zahnärztlichen Behandlungen und Therapieoptionen eine hohe Planungssicherheit zu gewähren. So wiederum wird optimaler Nutzen von Therapien für unsere Patienten gewährleistet.

Die Kiefergelenke (Kiefergelenke) und ihre räumliche Position innerhalb der Fossa Glenoidalis sind Schlüsselparameter für ungestörte Funktion; nicht nur des Kausystems sondern auch als Rezeptor und Vermittler für die Körperhaltung.

Chronische Erkrankungen der Wirbelsäule, Kopfschmerzen, Migräne, Schmerzen oder Geräusche der Kiefergelenke, Tinnitus, Trigeminus-Neuralgien oder auch unerklärliche pulpitische Zahnschmerzen sind auch sehr häufig mit temporomandibulären Störungen verbunden. Patienten, Ärzte und Zahnärzte sind vertraut mit diesem Symptom-Komplex und "fürchten" diesen gleichzeitig.
Sehr häufig spielt die funktionelle, okklusale Komponente eine wichtige Rolle im Entstehen oder Auftreten dieser Symptome, da sie mit der statischen oder dynamischen Okklusion oft eng verbunden sind. Diese diese hochkomplexen pathologischenBedingungen erfordern oft einen interdisziplinäre Behandlungsansatz.

In dieser Präsentation soll ein systematisches, standardisiertes Diagnose-, Planungs- und Therapiekonzept zur Durchführung  Kieferorthopädischer und/oder Rekontruktiver Behandlungen des Kausystems nach der Philosophie der Vienna School of interdisziplinary Dentistry (VieSID) in einem interdisziplinären Kontext besprochen werden, basierend auf komplexen Kasuistiken, um best-mögliche, langlebige Behandlungsergebnisse zu erzielen.