Die Rolle der Kieferorthopädie in der interdisziplinären zahnärztlichen Behandlung im digitalen Zeitalter.

Prof. Dr. Christos Katsaros, PhD, Bern

GAK 247 | 27.11.2020 | 14:00 Uhr

Editorial

Liebe GAK Mitglieder,
liebe Kolleginnen und Kollegen,

sind konventionelle Abdrücke mit diversen Abdruckmassen heutzutage noch zeitgemäß? Kann ein 3D-Drucker bald einen Zahntechniker ersetzen? Wird im Zeitalter der Aligner-To-Go-Shops der Kieferorthopäde irgendwann überflüssig?

Auf den ersten Blick provokante Fragen - doch sind sie bei genauer Betrachtung der rasanten Entwicklung der globalen Digitalisierung gar nicht so abwegig. Die Digitalisierung erhält immer stärkeren Einzug und macht auch vor der Zahnmedizin nicht halt, wo sich ein deutlicher Trend zum digitalen Workflow abzeichnet. Angefangen vom digitalen Abdruck (Intraoralscan) oder digitalen Modellscan über die digitale kieferorthopädische Planung (Erstellen von digitalen Setups und OP-Simulationen, die digitale Bracket- oder Miniimplantatplatzierung) bis hin zur digitalen Herstellung von Apparaturen mittels 3D-Drucker oder CAD/CAM-Technologie (Modelle, Retainer, OP-Splinte) - der Fantasie sind nahezu keine Grenzen gesetzt. Die Vorteile digitaler Patientenmodelle liegen unter anderem in der platzsparenden und physikalisch unzerstörbaren Aufbewahrung sowie der Vereinfachung des interdisziplinären Austausches über Datensätze. Letztendlich können diese Datensätze sowohl für die Diagnostik als auch für therapeutische Simulationen genutzt werden, wobei zusätzlich die Überlagerung digitaler Modelle mit DVT und/ oder Weichgeweben möglich ist. Außerdem können längere Arbeitsschritte vom Patientenmund an den Monitor verlagert und dort präzise geplant werden. Mittels Übertragungsschablonen können dann beispielsweise Brackets zeitsparend indirekt am Patienten geklebt werden oder Pins mittels Bohrschablone schnell und präzise platziert werden.

Die Integration der digitalen Tools in kieferorthopädische Praxen schreitet erstaunlich langsam voran, denn dieser digitalen Modernisierung stehen erhebliche Investitionskosten in Hard- und Software sowie zeitintensive Einarbeitung gegenüber. Überwiegen langfristig die Vorteile und tragen die Erneuerungen zu einer Qualitätsverbesserung und Erleichterung des Arbeitsalltags bei? Was ist im Rahmen des Machbaren und wo liegen derzeit ihre Grenzen? Welche Chancen gilt es zu nutzen, welche Risiken zu vermeiden? Können wir durch die digitale Dokumentation und Behandlungsplanung einen Mehrwert für den Patienten generieren? Und vor allem: wie sieht zukünftig die interdisziplinäre Zusammenarbeit in der Zahnmedizin aus?

Professor Katsaros kann uns als renommierter Kieferorthopäde viele Antworten und Erfahrungen auf diese Fragen geben, hat er doch an der Universität Bern bereits viele digitale Neuerungen in seinen kieferorthopädischen und interdisziplinären Workflow implementiert. Ebenfalls unter dem Aspekt der digitalen Dokumentation und Planung wird er uns frei nach dem Motto "Freund oder Feind?" präsentieren, wie sich die Kieferorthopädie mit dem Parodont verträgt.    

Lassen wir uns inspirieren von Chancen, Nutzen und Risiken der digitalen interdisziplinären Zahnmedizin!

Ihre
Dr. Julia Glöggler